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Ferkelbuchten-Enthüllungen: Undercover-Ermittlungen in dürreanfälligen Regionen 2024

Eine Undercover-Untersuchung beleuchtet den routinemäßigen Einsatz von Ferkelbuchten in Schweinefarmen dürreanfälliger Regionen und deren weitreichende Folgen für Tierwohl und Wassernutzung.

Von Dr. Isabella Schmidt4 Min. LesezeitBerlin, DE
Luftaufnahme einer Schweinezucht in einer trockenen Region, die Ferkelbuchten nutzt und Wasserressourcen beansprucht.
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Undercover-Ermittlungen auf Schweinefarmen in dürreanfälligen Regionen offenbaren, dass der Einsatz von Ferkelbuchten nicht nur routinemäßig, sondern oft auch untrennbar mit einem erhöhten Wasserverbrauch für die Tierhaltung verbunden ist. Diese Praktiken verschärfen die Wasserknappheit und werfen ernsthafte Fragen zum Tierwohl auf, obwohl sie vielerorts noch als legal gelten.

Was wurde dokumentiert und warum ist es routinemäßig?

Eine von Animal Watch International (AWI) im Jahr 2023 durchgeführte Undercover-Untersuchung in der Region Murcia, Spanien, dokumentierte den weitverbreiteten Einsatz von Ferkelbuchten. Die Aufnahmen zeigen Sauen, die in Metallkäfigen gefangen sind, kaum größer als ihr eigener Körper, unfähig, sich umzudrehen, zu laufen oder natürliche Verhaltensweisen wie Nestbau auszuüben. Diese Haltungsform ist in der intensiven Schweinehaltung weltweit und insbesondere in der EU noch immer gängige Praxis für einen Teil des Produktionszyklus (EU-Richtlinie 2008/120/EG, 2008).

Der Einsatz von Ferkelbuchten ist nicht spezifisch für dürreanfällige Gebiete, ihre Prävalenz in solchen Regionen, wie z.B. in Spanien oder Kalifornien, ist jedoch alarmierend. Die Betriebe argumentieren, dass diese Buchten eine effiziente Flächennutzung ermöglichen und das Risiko von Ferkelverlusten durch Erdrücken reduzieren. Diese Begründungen werden jedoch von Tierwohlexperten zunehmend in Frage gestellt (Compassion in World Farming, 2022).

Welche Vorschriften wurden verletzt oder nicht?

Die von AWI dokumentierten Ferkelbucht-Systeme in Spanien verletzen formal oft keine lokalen oder EU-weiten Vorschriften, da sie innerhalb der gesetzlich festgelegten Zeiträume und Maße für Kastenstände eingesetzt werden. Die EU-Gesetzgebung erlaubt die Einzelhaltung von Sauen in Ferkelbuchten für den 'ersten Teil der Trächtigkeit' und 'bis zur letzten Woche vor dem erwarteten Abferkeln' (EU-Richtlinie 2008/120/EG, 2008). Nach diesem Zeitraum müssen die Sauen in Gruppen gehalten werden. Jedoch zeigen die Undercover-Aufnahmen, dass die Sauen oft in einem Zustand permanenter Bewegungseinschränkung gehalten werden, was die Intention der Gesetzgebung, eine Verbesserung des Tierwohls zu bewirken, untergräbt.

In den USA gibt es keine landesweiten Gesetze, die Ferkelbuchten verbieten, obwohl einige Bundesstaaten wie Kalifornien (Prop 12) strenge Vorschriften oder Verbote erlassen haben (HSUS, 2023). Das Fehlen einheitlicher Standards ermöglicht es Farmen in dürregefährdeten US-Staaten wie Arizona, diese Praxis fortzusetzen, was ethische Bedenken verstärkt und einen Flickenteppich an Vorschriften schafft, der die Durchsetzung erschwert.

RegionDauer des Ferkelbucht-EinsatzesTierwohl-StandardsWassernutzung in Vorschriften
EU (allg.)Erster Teil der Trächtigkeit, letzte Woche vor AbferkelnMinimalstandards, Grupppenhaltung vorgeschrieben dazwischenIndirekt, nicht spezifisch
Spanien (Murcia)Wie EU, oft maximal ausgenutztTendenz zur MinimalerfüllungKeine direkten Einschränkungen
Kalifornien (USA)Weitgehend verboten (Prop 12)Hohe Standards (Platzbedarf, Bewegungsfreiheit)Indirekt durch Haltungsform
Arizona (USA)Keine spezifische EinschränkungMinimalstandardsKeine direkten Einschränkungen
KanadaPhase-out bis 2029Verbesserte Standards angestrebtNicht direkt adressiert
Vergleich der Vorschriften für Ferkelbuchten in ausgewählten Regionen. Source: Humane Foundation Analyse, 2024

Wie reagiert die Branche und wie die NGOs?

Die Agrarindustrie verteidigt den Einsatz von Ferkelbuchten oft mit Argumenten der Effizienz und der Tiergesundheit. 'Unsere Priorität ist die Sicherheit der Tiere und die Minimierung von Ferkelverlusten', so ein Sprecher des spanischen Bauernverbandes in einer Reaktion auf die AWI-Berichte. Sie betonen Investitionen in alternative Systeme, die jedoch oft nur langsam umgesetzt werden und hohe Kosten verursachen (Interporc, 2023). Viele Industrievertreter weisen zudem darauf hin, dass die bestehenden Praktiken den nationalen und EU-Gesetzen entsprechen.

„Der Konflikt zwischen kurzfristiger Produktivität und langfristiger Nachhaltigkeit, insbesondere angesichts globaler Klimaveränderungen wie Dürren, wird in der industriellen Tierhaltung immer akuter. Ferkelbuchten sind nur ein Symptom einer systemischen Herausforderung.“

Prof. Dr. Anya Sharma, Agrarökologin, Universität Wageningen

Tierschutzorganisationen wie PETA und AWI fordern hingegen ein vollständiges Verbot von Ferkelbuchten und setzen sich für Systeme ein, die Sauen Bewegungsfreiheit und soziale Interaktion ermöglichen. Sie betonen die gravierenden Auswirkungen auf das Tierwohl und die psychische Belastung der Tiere (PETA, 2023). Darüber hinaus weisen Umweltorganisationen wie die Water Protection Society auf den immensen indirekten Wasserverbrauch hin, der durch die Futtermittelproduktion für die industrielle Schweinehaltung in trockenen Gebieten entsteht (Water Protection Society, 2023). Zum Beispiel benötigt die Produktion von 1 kg Schweinefleisch in Spanien bis zu 5.988 Liter Wasser, wovon der Großteil auf den Futtermittelanbau entfällt (AQUASTAT, FAO, 2021).

Welche politischen Implikationen ergeben sich aus Ferkelbuchten und Dürren?

Die politischen Implikationen dieser Undercover-Enthüllungen sind weitreichend. Die Dringlichkeit, den Wasserverbrauch in dürreanfälligen Regionen zu reduzieren, kollidiert direkt mit den Anforderungen der industriellen Schweinezucht, die auf hohe Effizienz und niedrige Kosten ausgerichtet ist. Regierungen stehen unter Druck, strengere Tierwohlnormen einzuführen und gleichzeitig die Wasserressourcen zu schützen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bereits eine Initiative zur Überarbeitung der EU-Tierwohlgesetze angekündigt, die ein Verbot von Ferkelbuchten in Erwägung zieht. Dies würde jedoch erhebliche Investitionen in neue Stallkonzepte erfordern und könnte zu einem Anstieg der Produktionskosten führen, was wiederum Debatten über Importe aus Ländern mit geringeren Standards anheizt (EU-Kommission, 2023).

Veränderung des Wasser-Stress-Index in europäischen Agrarregionen

Quelle: Europäische Umweltagentur (EUA), 2023

Häufig gestellte Fragen

Was sind die größten Tierwohlbedenken bei Ferkelbuchten?+

Die größten Bedenken sind die extreme Bewegungseinschränkung, die Verhinderung natürlicher Verhaltensweisen wie Nestbau oder die Interaktion mit Ferkeln, sowie die daraus resultierenden psychischen und physischen Stresssymptome bei den Sauen. Dies führt oft zu Verhaltensstörungen und langfristigem Leid.

Sind Ferkelbuchten in der EU legal?+

Ja, der Einsatz von Ferkelbuchten ist in der EU unter bestimmten Bedingungen legal. Die EU-Richtlinie 2008/120/EG erlaubt die Einzelhaltung von Sauen in Kastenständen für die Zeit unmittelbar nach der Besamung und in der letzten Woche vor der Geburt, schreibt jedoch dazwischen Gruppenhaltung vor. Viele Länder halten sich an diese Mindeststandards.

Wie beeinflusst die Schweineproduktion, die Ferkelbuchten nutzt, die Wasserknappheit in dürreanfälligen Regionen?+

Die Schweineproduktion, oft verbunden mit Ferkelbuchten für Effizienz, trägt durch den immensen Wasserverbrauch für den Anbau von Futtermitteln (Mais, Soja) zu Wasserknappheit bei. In dürreanfälligen Regionen wie Spanien oder Teilen der USA wird für diesen Anbau häufig Grundwasser zur Bewässerung genutzt, was die Wasserreserven erschöpft.

Gibt es Alternativen zu Ferkelbuchten, die Tierwohl und Dürreproblematik berücksichtigen?+

Ja, es gibt alternative Haltungssysteme wie Freilaufställe, Gruppenhaltungen mit viel Platz und Beschäftigungsmaterial sowie Outdoor-Systeme. Diese verbessern das Tierwohl erheblich und können, wenn sie mit lokalen, weniger wasserintensiven Futtermitteln kombiniert werden, auch den ökologischen Fußabdruck reduzieren.

Welche Rolle spielen Konsumenten bei der Reduzierung des Ferkelbucht-Einsatzes?+

Konsumenten spielen eine entscheidende Rolle. Durch die Wahl von Produkten aus tierfreundlicherer Haltung (z.B. Bio-Siegel, Haltungsform 3 oder 4) oder durch die Reduzierung des Fleischkonsums können sie direkten Druck auf die Landwirtschaft ausüben. Dies motiviert Betriebe, auf Ferkelbuchten zu verzichten und nachhaltigere Praktiken einzuführen.

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