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Bodennahe Schleppnetzfischerei: Was die Fischereiindustrie nicht über Ihre Gesundheit wissen will 2024

Die bodennahe Schleppnetzfischerei ist eine der zerstörerischsten Fangmethoden und birgt erhebliche Risiken für die Meeresökosysteme und indirekt für die menschliche Gesundheit.

Von Dr. Johanna Richter4 Min. LesezeitBerlin, DE
Bodennahe Schleppnetzfischerei, die den Meeresboden zerstört und Sedimente aufwirbelt, mit einem großen Fangschiff im Hintergrund.
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Die Fischereiindustrie preist Meeresfrüchte häufig als gesunde Proteinquelle an, doch die Realität hinter einigen Fangmethoden, insbesondere der bodennahen Schleppnetzfischerei, ist düsterer. Diese Methode zerstört aktiv Meeresböden, beeinträchtigt die Ökosysteme und kann indirekt die Nährstoffqualität von Meeresfrüchten sowie die globale Ernährungssicherheit beeinflussen, was erhebliche gesundheitliche Bedenken aufwirft.

Was ist bodennahe Schleppnetzfischerei und warum ist sie umstritten?

Bodennahe Schleppnetzfischerei ist eine Fangmethode, bei der große kegelförmige Netze über den Meeresboden gezogen werden, um Grundfische wie Kabeljau, Scholle oder Garnelen zu fangen. Sie ist umstritten, da sie den Meeresboden mechanisch umpflügt und dabei Lebensräume zerstört, Beifang verursacht und die Kohlenstoffspeicherung im Meer beeinträchtigt (Science, 2021). Trotz internationaler Bemühungen zur Regulierung bleibt sie weit verbreitet.

Wie verharmlost die Fischereiindustrie die Zerstörung des Meeresbodens?

Die Fischereiindustrie tendiert dazu, die Auswirkungen der bodennahen Schleppnetzfischerei als 'lokal' oder 'vorübergehend' darzustellen, oft unter Verweis auf die 'natürliche Erholung' der Meeresböden. Marketingstrategien betonen die Bereitstellung von 'gesunden' und 'erschwinglichen' Meeresfrüchten, ohne die Umweltkosten zu thematisieren (Environmental Defense Fund, 2023).

Forschung, die von der Industrie finanziert wird, konzentriert sich manchmal auf kurzfristige, kommerziell relevante Fischbestände, anstatt auf die langfristige Gesundheit des gesamten Ökosystems (Pew Charitable Trusts, 2020). Dies kann ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Umweltauswirkungen erzeugen und politische Entscheidungen beeinflussen.

„Die Vernachlässigung der kumulativen Auswirkungen der bodennahen Schleppnetzfischerei auf die Meeresökosysteme ist eine kurzsichtige Strategie, die langfristig sowohl die Fischerei als auch die menschliche Gesundheit bedroht.“

Dr. Lena Schneider, Meeresbiologin, Universität Kiel

Welche gesundheitlichen Risiken birgt die Zerstörung mariner Ökosysteme?

Die Zerstörung durch bodennahe Schleppnetzfischerei hat indirekte, aber signifikante Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Ein wichtiger Aspekt ist der Verlust der Artenvielfalt, der die Resilienz der marinen Nahrungskette schwächt. Wenn Raubtiere oder Schlüsselarten verschwinden, können sich die Populationen anderer Arten unkontrolliert vermehren oder zusammenbrechen, was die Verfügbarkeit nahrhafter Fischarten beeinträchtigt (Nature Ecology & Evolution, 2020).

Zudem setzen die Schleppnetze große Mengen an sedimentgebundenem Kohlenstoff frei, was die Klimakrise verschärft und damit indirekt die Gesundheit durch klimabedingte Ereignisse (z.B. Wetterextreme, Ernährungsunsicherheit) beeinflusst. Eine Studie im Journal of Environmental Science & Policy (2022) hob hervor, dass die jährlichen Kohlenstoffemissionen durch Schleppnetze global dem Ausstoß von über 33 Millionen Autos entsprechen könnten.

FischereimethodeKohlenstofffreisetzung (Tonnen CO2 pro Jahr)Auswirkungen auf den Meeresboden
Bodennahe Schleppnetze300 - 600 MillionenHohe Zerstörung, Erosionsrisiko
Grundschleppnetze (Tiefe)100 - 200 MillionenMäßige bis hohe Zerstörung
LangleinenfischereiGering (0.5 - 1 Million)Gering, z.T. Beifang von Meeressäugern
RingwadenfischereiSehr gering (< 0.1 Million)Keine direkte Bodenberührung
Fischfallen / ReusenSehr gering (< 0.1 Million)Sehr gering
Vergleich der Kohlenstofffreisetzung durch Fischereimethoden (geschätzte Werte). Source: Science, 2021

Globaler Rückgang der Fischbestände durch Überfischung

Quelle: FAO, 2022

Was können Verbraucher tun, um nachhaltigere Entscheidungen zu treffen?

Als Verbraucher können wir durch bewusste Kaufentscheidungen Einfluss nehmen. Es ist wichtig, die Herkunft und Fangmethode von Meeresfrüchten zu hinterfragen. Zertifizierungen können hierbei eine Orientierung bieten, sind aber nicht immer perfekt (Marine Stewardship Council - MSC).

Leitfaden für den nachhaltigen Fischkauf

  1. 1

    Informieren Sie sich über Fangmethoden

    Erfahren Sie, welche Fangmethoden für welche Fischarten üblich sind und welche als besonders schädlich gelten (z.B. bodennahe Schleppnetze).

  2. 2

    Wählen Sie zertifizierte Produkte

    Achten Sie auf Gütesiegel wie MSC oder ASC (Aquaculture Stewardship Council), die strengere Umwelt- und Sozialstandards versprechen. Überprüfen Sie jedoch die Kriterien dieser Siegel kritisch.

  3. 3

    Bevorzugen Sie lokale und saisonale Produkte

    Unterstützen Sie lokale Fischer, die nachhaltige Fangmethoden (z.B. Angelfischerei, Fallen) anwenden und informieren Sie sich über saisonale Verfügbarkeit.

  4. 4

    Diversifizieren Sie Ihre Ernährung

    Reduzieren Sie den Konsum von Fisch aus gefährdeten Beständen und integrieren Sie mehr pflanzliche Proteine in Ihre Ernährung, um den Druck auf marine Ökosysteme zu mindern.

  5. 5

    Fragen Sie im Geschäft nach

    Fragen Sie bei Ihrem Fischhändler nach der Herkunft und Fangmethode. Ihre Nachfrage kann dazu beitragen, das Bewusstsein und die Transparenz zu erhöhen.

Häufig gestellte Fragen

Ist jegliche Form der Schleppnetzfischerei schädlich?+

Nicht alle Formen der Schleppnetzfischerei sind gleich schädlich. Die bodennahe Schleppnetzfischerei, die direkt den Meeresboden aufwühlt, gilt als die zerstörerischste. Oberflächen-Schleppnetze für pelagische Fische (z.B. Thunfisch) haben weniger direkte Auswirkungen auf den Meeresboden, können aber mit Beifangproblemen verbunden sein.

Welche Regionen sind am stärksten von bodennaher Schleppnetzfischerei betroffen?+

Regionen mit ausgedehnten Schelfmeeren und reichhaltigen Grundfischpopulationen sind besonders betroffen. Dazu gehören die Nordsee, die Grand Banks vor Neufundland, Teile des Mittelmeers und die Pazifikküste vor einigen Entwicklungsländern. Hier sind die langfristigen Schäden am Meeresboden besonders sichtbar (ICES Journal of Marine Science, 2019).

Gibt es politische Maßnahmen, um die bodennahe Schleppnetzfischerei zu reduzieren?+

Ja, es gibt sowohl nationale als auch internationale Bemühungen. Die Europäische Union hat beispielsweise versucht, Schutzgebiete vor Schleppnetzfischerei zu bewahren, und die UN-Generalversammlung hat Resolutionen zur Reduzierung der Meereszerstörung verabschiedet. Die Durchsetzung und Ausweitung solcher Maßnahmen bleiben jedoch eine Herausforderung (European Parliament, 2023).

Sind alle Fischereizertifikate wie MSC vertrauenswürdig?+

Zertifikate wie das MSC-Siegel sind ein guter Ausgangspunkt, da sie bestimmte Umweltstandards voraussetzen. Jedoch gibt es Kritik, dass die Kriterien nicht immer streng genug sind oder die Auditierung Mängel aufweist. Es ist ratsam, sich über die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Siegels zu informieren und nicht blind zu vertrauen (The Guardian, 2021).

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